Mit ‘statistik’ getaggte Beiträge

Es soll ja durchaus vorkommen, dass Studien und Umfragen in erster Linie durchgeführt werden, um mit ihrem Ergebnis eine bestimmte Aussage zu unterfüttern. Schließlich werden Umfrageergebnisse von Medien stets gern aufgegriffen und inhaltlich-methodisch selten hinterfragt.

KindleEine aktuelle Studie soll nun belegen, dass Amazons Strategie, seine Kindle-Tablets und -Reader zu Kampfpreisen auf den Markt zu bringen, sich für den Versandgiganten auszahlt. Dazu hat das Institut CIRP auf Basis einer Stichprobe von sage und schreibe 300(!) herausgefunden, dass Kindle-Besitzer über 50 % öfter bei Amazon einkaufen und dort auch gut 50 % mehr Geld ausgeben. Amazons Strategie, so die Erkenntnis der Forscher, ist aufgegangen – statistisch bewiesen! Das Ergebnis wurde gern in knackige Meldungen gegossen, so bei Slate, Buchreport oder der Self-Publisher-Bibel.

Schön und gut: Amazon macht ohne Frage vieles richtig, aber die Schlussfolgerung auf dieser Basis ist doch reichlich gewagt. Wie so oft, wird aus einer Korrelation (Kindle-Besitzer <=> höherer Umsatz) eine Kausalität abgeleitet (höherer Umsatz, weil Kindle-Besitzer). Das ist so wie mit der Annahme, Kahlköpfigkeit beschere Männern ein höheres Einkommen. Die Enttäuschung ist dann groß, wenn nach der Kopfrasur festgestellt wird, dass der Kausalzusammenhang doch leider fehlt, und der entscheidende Einflussfaktor auf das Einkommen eher das zunehmende Alter ist, mit dem der nachlassende Haarwuchs halt tendenziell korreliert 😉

Könnte es im Fall Amazons nicht einfach so sein, dass umsatzstarke Kunden eher geneigt sind, auch einen Kindle zu kaufen? Hmm, gar nicht so abwegig. Aber: das gibt natürlich nicht so aufmerksamkeitsstarke Headlines …

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Quelle: Eigene Erhebung

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Es gibt viele Möglichkeiten, Statistiken zu manipulieren. Etwa durch geschickte Darstellung, durch die „passende“ Fragestellung oder durch gezieltes Filtern und Weglassen von Informationen. Letzteres scheint das Prinzip bei der aktuell verbreiteten Arbeitsmarktstudie des DGB zu sein. „Arbeitslosigkeit steigt bei Abiturienten überdurchschnittlich“ ist die Kernbotschaft der Studie, die mit einem überdurchschnittlich hohen prozentualen Anstieg der Arbeitslosigkeit in eben dieser Gruppe belegt wird.

Was in der Studie leider völlig fehlt, ist die absolute Zahlenbasis. Von welchem Niveau ausgehend findet dieser Anstieg denn statt? Das wäre in diesem Zusammenhang doch äußerst informativ gewesen. In der Tat sind doch nach wie vor die gering Qualifizierten in dramatisch höherem Maße von Arbeitslosigkeit bedroht und stehen gut Ausgebildete in dieser Hinsicht deutlich besser da. Fatal ist das (falsche) Signal, dass von dieser Studie ausgeht: Dass Bildung sich nicht lohnt!

Leider wurde die Studie mit dieser Botschaft nach der Verbreitung durch dpa unreflektiert von vielen Medien aufgegriffen (Zeit, Welt, Spiegel u.v.a). Inzwischen wird jedoch Widerspruch laut, so z. B. von Holger Schäfer vom Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW): „Man muss den Eindruck, dass Hochqualifizierte jetzt verstärkt arbeitslos werden, nicht nur relativieren; man muss ihn, glaube ich, auch ganz klar falsifizieren und widerlegen, denn das Gegenteil ist eigentlich richtig.“ Auch Ilona Mirtschin, Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit, relativiert die Ergebnisse der DGB-Studie. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. empfiehlt, sich bei der Beurteilung der Fragen an den absoluten Zahlen zu orientieren. „Diese sind aussagekräftiger als die prozentualen Steigerungen der DGB-Studie, die von einem jeweils völlig unterschiedlichen Ausgangsniveau ausgehen.“

Bleibt die Frage: Was will der DGB mit dieser Studie eigentlich bezwecken?